Die Investition eines Teils des Vermögens in physische Edelmetalle und in Aktien von Goldproduzenten ist – insbesondere in der heutigen Zeit – ein Muss. Lohnt sich jetzt noch der Einstieg, um in Edelmetalle zu investieren?
An der Börse wird die Masse aus ihren Investments immer dann herausgedrängt, bevor ein großer Anstieg beginnt. Dass dies ausgerechnet aktuell beim Gold anders sein sollte, ist schwer vorstellbar. Investment-Guru Marc Faber etwa hat sich zu diesem Thema kürzlich geäußert. Er warnt vor einem Einbruch beim Gold in den Bereich von 900 US-Dollar. Die große Frage, wann es soweit sein wird, kann niemand beantworten. Eines muss sich der Anleger klar machen: Sollten die weltweiten Aktienmärkte den Weg gegen Süden nehmen, dann wird dies an den Edelmetallen nicht spurlos vorübergehen. Börsenanfänger unterliegen gerne der Illusion, dass fundamental positiv zu bewertende Investitionsobjekte – hier die Krisenmetalle – sich einer allgemeinen Korrektur entziehen können, bei der sie auch mal 50 % ihres Wertes einbüßen.
Die Relation von Angebot und Nachfrage
Die Angebotsseite: Die Goldförderung in den Mienen ist trotz des starken Goldpreisanstiegs seit dem Jahr 2000 von 2.620 Tonnen auf nur noch 2.416 Tonnen im Jahr 2008 zurückgegangen. Auch die Verkäufe durch Notenbanken – bisher immer eine willkommene Entlastung für den Goldmarkt – sind stark gefallen. Verkauften die Notenbanken 2007 noch 484 Tonnen Gold, sind es 2008 nur noch 246 Tonnen gewesen. Im vergangenen Jahr hat der IWF dem umstrittenen Verkauf von einem Achtel seiner Goldbestände zugestimmt. „Strikt limitierte 403.3 Tonnen“ solle an den Markt gegeben werden, und zwar so, dass dieser „nicht gestört“ wird. Käufer, die das Gold haben wollen, müssen dem IWF Preise zahlen, die gerade am Markt gehandelt werden.
Die Käuferseite: Indien hat im November 2009 200 Tonnen IWF-Gold für 1.045 Dollar pro Unze gekauft und damit einen Sprung im Goldpreis auf ein neues Rekordhoch bei 1.227,50 Dollar ausgelöst. Die große Frage ist nun, ob China gewillt ist, das restliche Gold aus dem IWF-Verkaufsprogramm, insgesamt 203 Tonnen, zu 1.100 bis 1.150 Dollar abzunehmen. Die Nachricht über einen Kauf der Chinesen würde den Goldpreis sicherlich kräftig ansteigen lassen.
Die Regierung in China hat sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten zehn Jahren 10.000 Tonnen Gold in seine Währungsreserven zu legen. Chinas Goldanteil an den Devisenreserven mit schätzungsweise 1.8% liegt weit unter dem Durchschnitt westlicher Nationen (Deutschland z.B. hält 52.4% der Währungsreserven in Gold). Dafür horten die chinesischen Währungshüter 2,2 Billionen Dollar, dessen Wertverfall unaufhaltsam voranschreitet. Doch der frühere Chef der chinesischen Behörde für Devisenverkehr, Wie Wenhu, ist besorgt darum, einen zu hohen Preis zu zahlen. Er hält 800 Dollar pro Unze für ein moderates Kaufniveau. Die Zentralbanken Russlands, Brasiliens und Sri Lankas haben ebenfalls Interesse an dem IWF-Gold angemeldet.
Gold ist durch das chinesische, aber auch durch das internationale Kaufinteresse der Zentralbanken auf der Unterseite gut unterstützt. Wie außerordentlich groß das Interesse von China und Indien an substanziellen Goldkäufen ist, macht auch eine Meldung der indischen Finanzzeitung Financial Chronicle vom 15. April 2009 deutlich. Dort wird von einem chinesisch-indischen Entwurf berichtet, der vorschlägt, dass der Internationale Währungsfonds seinen gesamten Goldschatz von 3.217 Tonnen verkaufen solle. Auch russische Regierungsvertreter haben schon mehrfach unterstrichen, dass Gold Teil eines aus verschiedenen Währungen zusammengesetzten Weltgeldes sein muss. Zuletzt verliehen sie dieser Forderung im Juni auf dem Schwellenland-Gipfel im russischen Jekaterinenburg Nachdruck.
Wettkampf um das Gold
Im weltweiten Durchschnitt halten die Notenbanken 11 % ihrer Währungsreserven in Gold. Würden nur die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) den Goldanteil an ihren Währungsreserven dem weltweiten Durchschnitt anpassen, müssten sie sich fast 8.000 Tonnen Gold besorgen. Diese Menge von 8.000 Tonnen entspricht etwa 3,3 Jahresproduktionen der Goldminen. Nicht nur China bereitet sich also auf mögliche Umwälzungen im Weltwährungssystem vor. So passt es im Bild, dass Die Bank of China jüngst vorgeschlagen hat, den US-Dollar als Leitwährung abzulösen und ihn durch eine neue internationale Korbwährung zu ersetzen.
Noch vor ein paar Jahren stand der Verkauf von Gold und Silber in China unter strikter Kontrolle. Dies scheint sich jetzt komplett geändert zu haben. China empfiehlt 1,3 Milliarden Chinesen den Kauf von
Edelmetallen. Der Thunder Road Report berichtete vor Kurzem, dass der größte chinesische Staatssender CCTV eine Nachrichtensendung ausgestrahlt hat, in der den Zuschauern gezeigt werde, wie einfach es ist, in Edelmetalle zu investieren. Weiter berichtet der Report, dass alle Banken in China in Zukunft Gold- und Silberbarren in vier verschiedenen Größen anbieten werden.
LMBA wegen Auslieferungsforderungen in Not?
Eine weitere Entwicklung macht auf sich aufmerksam. Anfang September 2009 wurde gemeldet, dass Hongkong all seine physischen Goldbestände im Wert von 63 Millionen US-Dollar aus London abzieht und in ein neues Hochsicherheits-Depot am Hongkonger Flughafen transportieren lässt. Das Depot steht in Zukunft auch Regierungsinstitutionen anderer Länder zur Verfügung. Dadurch soll es zu einer regelrechten Panik an der LBMA – die “London Bullion Market Association” ist der weltweit größte Handelsplatz für physisches Gold – gekommen sein, als Marktteilnehmer in erheblichem Umfang die Auslieferung ihres gekauften Goldes verlangten und sogar großzügige Geldbeträge (die Rede ist von einer Prämie von bis zu 25 % über dem damaligen Goldpreis) als Ersatz ablehnten. Das Gold soll letztlich nur durch eine Rettungsaktion von Zentralbanken, in Form eines Leasinggeschäfts, geliefert worden sein.
Paul Mylchreest, ein erfahrener Rohstoff-Analyst und Autor des Thunder Road Report, und Adrian Douglas, Goldmarktanalyst und Vorstandsmitglied beim Gold Anti-Trust Action Committee, deren Ziel es ist, die illegale Goldpreismanipulation zu bekämpfen, nehmen an, dass die in der LBMA zusammengeschlossenen so genannten Bullion-Banken jahrelang ein Vielfaches mehr an Gold, verkauft als eigentlich in deren Safes vorhanden ist, verkauft haben müssen.
Die LBMA ist ein Zusammenschluss von Banken, die berechtigt sind, im Auftrag von Kunden Gold zu kaufen und zu verkaufen. Der Handel findet direkt zwischen den Banken statt. Haben Kunden einmal Gold gekauft, lassen sie es aus Kostengründen oder weil sie es in absehbarer Zeit wieder verkaufen wollen, meist bei den Banken liegen. Fast all dieses bei den Banken liegende Gold soll so genanntes “nicht zugeteiltes” Gold sein. Das heißt, das Gold aller Kunden einer Bank liegt in einem gemeinsamen Safe und man kann nicht sagen, welcher Barren welchem Kunden gehört. Das nicht zugeteilte Gold ist lediglich eine finanzielle Verbindlichkeit für die Bank. Es ist keine Verbindlichkeit, die in Gold ausgezahlt werden muss, es sei denn, der Kunde wünscht ausdrücklich die physische Auslieferung.
Nach den aufwendigen Berechnungen der beiden Experten Paul Mylchreest und Adrian Douglas sollen die Kunden der Bullion-Banken zwischen 64.000 und 150.000 Tonnen Gold besitzen. Demgegenüber sollen diese Banken jedoch allerhöchstens 15.000 Tonnen an Goldbarren in ihren Safes liegen haben.
Geldentwertung
Der Euro hat seit dem Start der Europäischen Währungsunion 20 Prozent an Wert verloren. Das berichtet die BILD-Zeitung (Samstagausgabe) unter Berufung auf eine Berechnung des Allianz-Konzerns. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sagte der Zeitung: „Im Vergleich mit anderen Ländern ist der Kaufkraftverlust in Deutschland mit am geringsten. Während ein Euro in Deutschland noch eine Kaufkraft von fast 84 Cent hat, sind es in Frankreich 82 Cent, in Italien 78 Cent und in Spanien 73 Cent.“ Der US-Dollar verlor seit 1999 sogar 24 Prozent an Wert und ist im Kaufkraftvergleich heute nur noch 76 US-Cent wert. Die voranschreitende Geldentwertung sprich für Investitionen in Sachwerten zu denen auch Edelmetalle gehören.
ETF-Nachfrage
Die größte Gefahr liegt beim Goldpreis darin, dass die Investmentnachfrage abflaut und keine so starke Stütze mehr für den Preis darstellt, wie noch 2009. Seit Jahresbeginn flossen bereits 20 Tonnen aus dem SPDR Gold Trust, dem in New York gelisteten und weltweit größten Gold-ETF. Dennoch sieht hier der langfristige Trend gut aus.
Nicht nur die Notenbanken der neuen Wirtschaftsmächte treten als massive Käufer des gelben Edelmetalls auf. Aus Angst vor einer drohenden Inflationsära wächst auch die Zahl der Privatanleger und institutionellen Investoren, die Gold als Schutz ansehen. Mit einem aktuelle Stand bei 1.385,5 Tonnen gibt es nur vier Länder auf der Erde, die noch mehr Gold besitzen Diese Menge, unterstreicht die bisherige Nachfrage wenn man bedenkt, dass Gold-ETFs erst seit 2004 existieren.
Eine zunehmende Inflationsdebatte, die Berichterstattung über Rekordschulden, Massenarbeitslosigkeit und Bankenpleiten werden den privaten Goldkauf auch in den kommenden Monaten und Jahren noch weiter unterstützen.

Gold-Prognose
Fazit: Gold lohnt für eine langfristige Investition auf Dauer von 3 bis 5 Jahre. Doch noch ist es nicht soweit. Da Gold zu Dollar eine negative Korrelation aufweist und für die Dauer von mehreren Monaten von einem steigenden Dollar auszugehen ist, ist zu erwarten dass der Goldpreis eine längere Korrekturphase vor sich hat. Es sei denn, es treten deutliche Zeichen einer Entkoppelung der gegenläufigen Korrelation auf. Anleger, die bei 800-900 $ physisches Gold gekauft haben, können investiert bleiben. Ein jetziger Kauf ist unter Zugrundelegung des gegenwärtigen Kursverlaufes noch zu riskant.